SCHRIFT

Haben wir eigentlich alles vergessen, was guten Städtebau ausmacht? Das muss man sich wirklich fragen, wenn man die neuere und geplante Wohnbebauung im Dresdner Norden betrachtet. Einfallslose Einfamilienhaussiedlungen von Langebrück über Weixdorf bis Klotzsche versiegeln die letzten Grünflächen in diesen Stadtteilen.

Neubaugebiet Weixdorf

Ein Haus, ein Carport, ein nicht nutzbarer schmaler Streifen vor und neben dem Haus, bepflanzt mit Koniferen aus dem Baumarkt. Hinter dem Haus eine Terrasse, ein Trampolin oder Sandkasten für die Kinder, ein Geräteschuppen im Almhüttenstil. Und rechts und links und gegenüber und die ganze Straße lang, ähnliche Häuser und ähnliche Gärten, ohne jede Beziehung zueinander oder zum Straßenraum. Ist das der Traum vom eigenen Haus, vom individuellen Wohnen? Wohl kaum, aber es gibt ja auch anscheinend keine Alternativen. Nirgends ein neuer großer Wurf, nur hilfloses Sammelsurium.

Dabei gibt es genügend gute Beispiele. Schon vor hundert Jahren wusste man sehr genau, wie es geht und was das heißt, miteinander leben in einer neu gebauten Stadt. Hohe urbane Lebensqualität entsteht nicht durch Zufall. Häuser, Straßen, Plätze, Gärten, alles zusammen ist in ein gestalterisches Gesamtkonzept einzubeziehen. Wir leben hier in einem solchen guten Beispiel: Die Gartenstadt Hellerau. Ihre Architekten haben die Bedürfnisse der zukünftigen Bewohner zum planerischen Maßstab gemacht und ihr ökonomischer Umgang mit Grund und Boden erlaubte Freiräume für Begegnung und Gemeinschaft.

All das scheint vergessen. Das sichtbare Ergebnis zusammengewürfelter Beliebigkeit wird schon in den Bebauungsplänen vorweggenommen und nichts ist schwieriger zu ändern als ein schlechter Bebauungsplan. Für den Dresdner Norden ist es jedenfalls zu spät.

Gott sei Dank, möchte man sagen, hat Hellerau keine bebaubaren freien Flächen mehr für solche Einfamilienhaussiedlungen.

Wolfgang Gröger

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